Die historisch-kritische Bibelwissenschaft bezeichnet die Bücher Deuteronomium, Josua, Richter, 1./2. Samuel sowie 1./2. Könige in der Hebräischen Bibel als Deuteronomistisches Geschichtswerk (DtrG). In der christlichen Bibel zählen sie mithin zu den Geschichtsbüchern, im Tanach gelten sie als nevi'im rischonim, als sogenannte "Vordere Propheten". In ihnen wird die biblische Geschichte des Volkes Israel in Form von Erzählungen präsentiert: die Landnahme Kanaans unter der Führung Joschuas, die "herrscherlose" Richterzeit, die sich daran anschließende Monarchie, die Entwicklung des Nordreiches Israel bis zur assyrischen Eroberung um 722 vC, die Entwicklung des Südreiches Juda bis zur Eroberung durch Nebukadnezar um 586 vC, bis zum babylonischen Exil und der Zerstörung des Salomonischen Tempels. Die Hauptbearbeitung des Textgutes fand demnach im 6. Jh vC wahrscheinlich im Babylonischen Exil statt; zumindest Teile können jedoch auch in Israel geschrieben oder bearbeitet worden sein. Im Gegensatz zu den nevi'im acharonim, den "Späteren Propheten" wie Jesaja, Jeremia oder Ezechiel stehen nicht primär gesammelte Reden sondern historische Handlungen und Erzählungen im Vordergrund. Dennoch bleibt festzuhalten, dass das Hauptaugenmerk der antiken Autoren und Redaktoren darauf lag, die Taten der Könige und des Volkes danach zu beurteilen, ob sie sich an Gottes Bund und die Tora gehalten haben oder auch nicht. Die literarische Qualität des Deuteronomistischen Geschichtswerkes zeigt sich in meisterhafter Erzählkunst, psychologischer Tiefe und einer geschlossenen theologischen Geschichtsschreibung. Dynamische Szenenwechsel, präzise Dialoge, dramatische Höhepunkte sind ebenso vorzufinden wie eine subtile literarische Ironie, welche menschliches Versagen und politische Hybris entlarvt. Die wiederkehrenden Motive und sprachliche Klammern verbinden die Einzelbücher zu einem großen geschichtlichen Bogen, der letztlich rund 400 Jahre umfasst.
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